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Beweidungsprojekt Stein in Achenbach


Das Projekt - was früher war

Das Projektgebiet liegt nördlich von Achenbach, einem Ortsteil der Gemeinde Breidenbach und wurde nach Aussage von Einheimischen bis Anfang der 1970er Jahre als Schaf- und Ziegenweide genutzt. Bereits 1976 beschreibt Franz Müller in seinem Gutachten über 'erhaltens- und gestaltenswerte Biotop- und Artenschutzprojekte des Landkreises Marburg-Biedenkopf' (Müller F (1976) im Auftrag des RP Kassel) den etwa 6,9 ha großen nördlichen Bereich des Projektgebietes als Halbtrockenrasen mit Ginsterheide, einzelnen Säulenwacholdern, Schlehe, Wildrose, Weide und Eberesche. Zum damaligen Zeitpunkt war die Heidefläche Brutgebiet des Rotrückenwürgers und Nahrungsbiotop des Raubwürgers. Entomologische Daten aus der damaligen Zeit liegen nicht vor. Als Maßnahme nennt das Gutachten eine Freistellung der Wacholder und die Verhinderung einer weiteren Verbuschung. Der Gutachter schlägt eine Auswqeisung als Biotopschutzgebiet vor.

In einer Diplomarbeit aus 1993, in welcher die Autorin Sukzessionsprozesse in Magerrasen auf Diabas, Zechstein und Grauwacke/Tonschiefer untersuchte, wurde auch die Entwicklung des Projektgebietes dargestellt (Noppe 1993). Anhand von Luftbildauswertungen und anderen Unterlagen kommt die Autorin zu folgenden Aussagen:

Die Felsfluren im Norden weisen eine Deckung von 50 % auf, z.T. sind sie bewuchsfrei. Der Bewuchs besteht aus Moosen und Flechten, niedrigen Rosettenpflanzen bzw. Therophyten. Unter Moospolstern und Grashorsten befindet sich eine dicke Streuauflage, in die Deschampsia eindringt, ein Vergrasungszeiger. Da Deschamsia verbissempfindlich ist, kann sie durch Beweidung zurückgedrängt werden.

Die Magerrasenbrachen sind vollständig von Deschampsia dominiert. Die Gehölze nehmen einen Anteil von 15 % ein, wobei der Besenginster als wichtigstes Gehölz zu nennen ist. Daneben kommen Faulbaum, Eberesche und Eiche und einige wenige Wacholder vor. Insgesamt sind die Flächen sehr blütenarm. Der Gehölzbestand hat in den letzten Jahrzehnten nur wenig zugenommen.

Größere Flächenverluste offener Lebensräume durch
Nadelholzaufforstungen fanden zwischen 1953 und 1989 statt, sie betragen heute mehr als 60 % des Projektgebietes.

Die ackerbauliche Nutzung des Projektgebietes war bereits vor 1950 aufgegeben worden, selbst aus der Reichsbodenschätzung in den 1930er Jahren war sie nicht bekannt. Weit verbreitet hingegen war eine Feld-Weide-Wirtschaft (Becker 1993 zit in Noppe 1993), die auch das Vorkommen des Besenginsters, der als Zeigerart für eine Acker-Weide-Wechselwirtschaftschaft anzusehen ist, begünstigt hat. Die durch den Besenginster hervorgerufene Eutrophierung führt zur Zunahme von Waldarten und vollständigem Verlust der für Magerrasen typischen mikroklimatischen Bedingungen. Hinzu kommt, dass in mehr als 50-jährigen Brachen kaum noch Diasporen von Magerrasenarten zu finden sind.

Die Untersuchungen zur Fauna zeigen, dass im Projektgebiet einige charakteristische Schmetterlingsarten (z.B. Coenonympha arcaria, Melanargia galathea, Isturgia limbaria und Pseudopanthera macularia) vorkommen/bzw. vorgekommen sind. Artenlisten finden sich in der Arbeit.

Das Projektgebiet heute

Bei dem Projektgebiet handelt sich um einen nach Westen stark abfallenden Magerstandort. Es treten Felsen und grusige Bodenanteile zutage. Die heutige Vegetation besteht zum einem aus verbuschten Ginsterheideflächen, zum anderen aber auch aus verschiedenen Waldkomplexen aus Kiefern, Buchen und Eichen sowie Fichtenanpflanzungen. In der Mitte befindet sich der Sportplatz des OT Achenbach mit einer Schutzhütte. Westlich des Schutzhütte grenzt eine Windwurffläche (Fichten) an, die 2011/2012 wieder aufgeforstet wurde. Hier hat sich in den letzten Jahren neben der Anpflanzung eine Pioniervegetation aus Birken, Faulbaum, Brom- und Himbeere etc. entwickelt. Die Gemeindeparzelle wird von Wegen umgrenzt und ist gut erreichbar.

Felsig-grusige Magerstandorte am Nordwestabhang: Der Teilbereich befindet sich am nördlichen Teil der Fläche. Er fällt von Ost nach West stark ab, es treten Felsformationen zutage. Die Vegetation ist lückig und besteht überwiegend aus Besenheide, Besenginster und anderen Felsbesiedlern. In den letzten Jahren ist Faulbaum aufgekommen, der z.T. dichte Bestände bildet. Einzelne Wacholder weisen auf eine ehemalige Schafsbeweidung hin. Auf dem Plateau stockt ein lückiger Wald aus solitär gewachsenen Kiefern und etwa 50-jährigen Fichtenanpflanzungen, die durch Windwurf geschädigt sind.

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Eichen-Kiefern-Buchen-Mischwald:
Südlich des Felsstandorts befindet sich ein kleiner Bereich mit schwachwüchsigem, z.T aus Stockausschlägen enstandenem Laubmischwald aus Buche, Eichen und Kiefern. Er ist sehr locker aufgebaut, einzelne Felsvorsprünge sind erkennbar.

Fichtenbestand: Es handelt sich z.T. um einen noch recht geschlossenen etwa 50-60-jährigen dichten Fichtenbestand. Direkt westlich des Schutzhütte Achenbach schließt sich ein Fichtenbestand an, der etwa 1950 gepflanzt worden ist. In seinem mittleren Bereich ist dieser Bestand durch Windwurf vollständig verloren gegangen und inzwischen wieder aufgeforstet. Der ehemalige Fichtenbestand setzte sich bis in den Bereich der Ginsterheide fort. Durch den angrenzenden Windwurf sind die Restbestände sehr ausgedünnt.

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Verbuschte Ginsterheide mit angrenzendem locker bestockten Kiefern-Buchen-Mischwald: In ihrem südlichen Teil besteht die Gemeindeparzelle aus einer mehr oder verbuschten Ginsterheide, die nach Westen in einen lockeren Bestand mit Buchen, Eichen und Kiefern übergeht. Hier finden sich ausgedehnte Felder von Heidelbeere. Der Westabhang ist bis zu einem Wirtschaftsweg dichter bestockt. Auch hier treten Felsformationen zutage.

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Die Projektumsetzung

Bereits 2010 hatte die Agentur Naturentwicklung eine Projektskizze erarbeitet, welche die Historie und die unterschiedlichen, eng verzahnten Biotoptypen des Projektrgebietes darstellte. Ziel des Projektes sollte sein, durch eine Beweidung mit Rindern und Schafen eine weitere Verbuschung der Ginsterheide sowie der Magerstandorte im Norden zurückzudrängen. Eine Beweidung der Waldanteile ist zunächst nicht beabsichtigt. In der Folgezeit ordnete die Gemeinde Breidenbach Teilflächen des Projektgebietes als Kompensationsflächen unterschiedlichen Eingriffen aus der Bauleitplanung zu. 2015 begann die konkrete Projektumsetzung durch verschiedene Abstimmungsprozesse. 2016 erfolgte im Rahmen eines Interessensbekundungsverfahren seitens der Gemeinde Breidenbach die Auswahl eines geeigneten Bewirtschafters. Im Frühjahr 2017 wurde nun ein Festzaun um Teilbereiche gezogen. Weitere Teilflächen werden ausschließlich mit Schafen in einem mobilen Elektrozaun beweiidet. Die nördliche Teilfläche wird aufgrund von noch erforderlichen Ersteinrichtungsmaßnahmen zunächst ausgespart und soll 2018 in das Projektgebiet eingegliedert werden.

Bereits im Juli 2017, nach nur wenigen Monaten der Rinderbeweidung zeigten sich die Weideflächen in einem völlig anderen Erscheinungsbild: Die verfilzte Grasnarbe war aufgelockert, z.T. trat Rohboden wieder in Erscheinung. Das Gras war zurückgefressen und begann aufgrund der Regenfälle auch schon wieder zu wachsen. Die Büsche waren von unten her vielfach befressen, so dass der Boden deutlich mehr Licht erhielt. Auch in den mit Schafen beweideten Teilflächen waren die Altgrasbestände aufgelockert. Im Sommer wird dem Gebiet nun eine Beweidungspause gegönnt, die der Regeneration und dem Neuaustrieb von im Boden noch vorhandener Samenvorräte dienen soll.

Projektgebiet nach der ersten Beweidungsphase