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Heißer Rück und Bomhöhe Dautphe


Wacholderheiden in offenen Kuppenlagen prägten in früheren Jahren die Landschaft des Marburger Hinterlandes. Entstanden überwiegend durch Schafbeweidung, boten diese Lebensräume nicht nur vielen, heute seltenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum, sondern durch ihre Offenheit auch reizvolle Sichtbeziehungen innerhalb der jeweiligen Gemarkungen. Mit zunehmender Industrialisierung der Landwirtschaft war die Bewirtschaftung der Wacholderheiden in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr rentabel, so dass viele Flächen verbrachten und verbuschten oder mit Kiefern aufgeforstet wurden.

Um jedoch die auch aus europäischer Sicht bedeutsamen Wacholderheidenvorkommen des Marburger Hinterlands zu erhalten und der besonderen Verantwortung des Landkreises für diesen Lebensraum gerecht zu werden, initiierte die Untere Naturschutzbehörde eine Untersuchung der in der Gemeinde Dautphetal liegenden Magerstandorte. Diese Untersuchung ergab, dass nahe Dautphe noch zwei ehemalige Heideflächen von 0,8 bzw. 1,3 ha Größe vorhanden waren, bei denen eine Regeneration erfolgversprechend schien. Die Umsetzung der Planung begann 2002, dem Jahr, in dem der Wacholder zum ‚Baum des Jahres‘ erklärt wurde. Die Gemeinde Dautphetal unterstützte als Eigentümerin der Flächen das Projekt und füllte damit ihr gemeindliches Ökokonto auf. Im Frühjahr 2004 erfolgten umfangreiche Rodungsmaßnahmen durch das damalige Forstamt Gladenbach. Tief beastete Kiefern wurden dabei als landschaftsprägende Bäume erhalten. Besonders wichtig war es jedoch, die noch vorhandenen Wacholderbestände zu schonen.

Nachdem die Initialmaßnahmen beendet sind, sorgen nun Schafe dafür, dass die Flächen nicht wieder verbuschen und sich typische Pflanzenarten der Wacholderheiden aus dem noch im Boden vorhandenen Samenvorrat wieder etablieren. Andere Arten, die neu einwandern, finden hier einen geeigneten Lebensraum. Tiere, wie Schmetterlinge, Heuschrecken oder Vögel, können aufgrund ihrer höheren Mobilität neue Lebensräume schneller besiedeln und zeigen schon nach wenigen Jahren, ob die durchgeführten Maßnahmen erfolgreich waren. Wenn sich Neuntöter, Raubwürger, Zauneidechse, Warzenbeißer und Blutströpfchen wieder einstellen, haben sich die Regenerationsmaßnahmen gelohnt. Ein seit 2004 bestehendes Monitoring von Probeflächen dokumentiert die Entwicklung des Heißen Rück sowie seit 2008 auch der Bomhöhe und macht ggf. weitere Vorschläge zur Pflege.

Was bringt die Zukunft

Die Regenerationsmaßnahmen auf dem Heißen Rück liegen im Gegensatz zu denen auf der Bomhöhe schon länger zurück. Die lichter gewordenen Kiefernbestände, das fehlende Unterholz, die wieder in ganzer Pracht erscheinenden Wacholderbestände, vereinzelte rot aufleuchtende Heidenelken und blaue Sandglöckchen lassen im Spätsommer schon erahnen, welchen Weg der Heiße Rück zukünftig gehen wird. Vorausgesetzt, eine Beweidung der Flächen ist sichergestellt. Die Bomhöhe weist noch nicht eine solche Entwicklung auf. Hier müssen Schafe und Ziegen noch längere Zeit fressen und die Fläche offen halten. Doch dann wird sich, wie auch auf dem Heißen Rück, eine magere offene Kuppe mit einzelnen Wacholdern einstellen und Lebensraum für typische Tier- und Pflanzenarten bieten.